Import

Autoimport nach Deutschland: Voraussetzungen und Ablauf

Vom Kauf im Ausland bis zur deutschen Zulassung: welche Schritte Pflicht sind, welche Dokumente Sie brauchen und wo die häufigsten Verzögerungen entstehen.

27. April 20267 min Lesezeit

Den Wunsch, ein Fahrzeug aus dem Ausland zu importieren, treiben oft drei Motive: Preisvorteil, Sondermodelle und individuelle Ausstattung. Wer den Importprozess unterschätzt, zahlt am Ende mehr als beim deutschen Händler. Diese Anleitung zeigt, wann sich Import wirklich lohnt – und wann nicht.

Drei Ausgangsfälle: EU, EWR, Drittland

Der Aufwand unterscheidet sich erheblich, je nachdem aus welchem Land das Fahrzeug stammt. EU-Import (z.B. Italien, Frankreich, Belgien) ist am einfachsten – freier Warenverkehr, keine Zollformalitäten, oft sogar EU-Typgenehmigung vorhanden. EWR (Schweiz, Norwegen, Liechtenstein) ist Mittelweg mit Zollverfahren, aber meist EU-konformer Technik.

Drittländer (USA, Japan, UAE, andere) sind der aufwendigste Fall: Zollabwicklung mit Einfuhrumsatzsteuer, Pre-Shipment-Inspection, oft technische Anpassungen für deutsche Zulassung erforderlich (Beleuchtung, Reflektoren, Tachoumstellung). Hier sind die Kosten oft höher als gedacht.

Schritt 1: Kauf und Übergabe im Ausland

Vor dem Kauf: VIN-Check (Carfax in den USA, deutsche Datenbanken für EU-Fahrzeuge) und idealerweise Vor-Ort-Inspektion durch unabhängigen Sachverständigen. Bei Kauf vom Privatperson: Beglaubigter Kaufvertrag, am besten zweisprachig.

Bei EU-Fahrzeugen: Originalfahrzeugbrief des Herkunftslandes (z.B. Carta di Circolazione in Italien) wird benötigt. Bei US-Fahrzeugen: Title (Eigentumsnachweis), bei Japan: Export Certificate.

Schritt 2: Transport nach Deutschland

Innerhalb der EU: Selbstüberführung mit Kurzzeitkennzeichen (max. 5 Tage), Fahrzeugtransporter oder Anhänger. Aus Drittländern: Containerverschiffung (USA, Japan), RoRo (UAE, Türkei). Die Logistikkosten variieren stark – ein US-Import per Container kostet typisch 1.800–3.000 Euro Transport ab Ostküste.

Wichtig: Beim Containerimport aus Drittländern muss das Fahrzeug bei Ankunft im EU-Hafen verzollt werden. Häufig laufen die Fahrzeuge über Bremerhaven oder Hamburg ein.

Schritt 3: Zollabwicklung beim Import aus Drittland

Bei Drittlands-Import fallen folgende Abgaben an:

  • 10 % Zoll auf Pkw-Wert (CIF-Basis: Kaufpreis + Fracht + Versicherung)
  • 19 % Einfuhrumsatzsteuer auf Zollwert + Zoll
  • Bei US-Importen: zusätzliche Anpassungskosten (TÜV, Beleuchtung, COC)
  • Pre-Shipment Inspection im Herkunftsland (variiert)
  • Speditions- und Hafengebühren im EU-Empfangshafen

Schritt 4: Technische Zulassung in Deutschland

EU-Fahrzeug mit COC (Certificate of Conformity): direkter Gang zur Zulassungsstelle, Kosten ca. 50 Euro. EU-Fahrzeug ohne COC: Vollabnahme beim TÜV erforderlich (300–500 Euro). Drittlands-Fahrzeug: Vollabnahme zwingend, oft mit technischen Änderungen vorab.

Typische Pflichtumbauten für US-Importe: Tachowechsel auf km/h, deutsche Beleuchtungsfarbgebung (Blinker bernsteinfarben statt rot), Nebelschlussleuchte nachrüsten, Geschwindigkeitsbegrenzer-Plombe. Kosten 800–2.500 Euro.

Wann sich der Import wirklich lohnt – und wann nicht

Lohnt sich: EU-Reimport von Neufahrzeugen mit deutscher Vorgeschichte (10–25 % Ersparnis), seltene Modelle ohne deutsche Verfügbarkeit, individuelle Sonderausstattungen. Nicht lohnt: Standardmodelle, weil deutsche Händlerrabatte plus fehlende Importkosten meist günstiger sind.

Eine ehrliche Vollkostenrechnung vor Kaufentscheidung ist Pflicht: Kaufpreis + Transport + Zoll + EUSt + Vollabnahme + Umbauten + Zulassung. Erst danach steht der reale Vergleich zum deutschen Markt.

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FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Antworten zu autoimport nach deutschland: voraussetzungen und ablauf.

Faustregel: Kaufpreis × 1,4 für Vollkosten frei Hof. Auf 25.000 USD Auto ca. 35.000 EUR – plus Vollabnahme, Umbauten, Zulassung weitere 1.500–3.000 EUR.

Bei vorhandenem COC (Certificate of Conformity): Nein. Ohne COC: Vollabnahme zwingend (300–500 €). Ein gültiger ausländischer TÜV ersetzt die deutsche HU nicht – diese muss neu absolviert werden.

19 % auf den Zollwert (Kaufpreis + Fracht + Versicherung) plus 10 % Zoll. Effektiv ca. 30,9 % über reinem Kaufpreis bei Drittlands-Import.

Möglich, aber unnötig kompliziert. Sinnvoller: Direkter Transport, Verzollung in Deutschland, dann deutsche Zulassung. Dadurch sparen Sie ausländische Steuern und Versicherungsbeiträge.

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